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Aufzugverkleidung bei Demenz: mehr Ruhe und Orientierung.

Wie eine ruhige Gestaltung Aufzüge in Seniorenheimen sinnvoll in den Wohnbereich integriert

Kurz gesagt: Eine demenzsensible Aufzugverkleidung kann die Aufmerksamkeit vom Aufzug weglenken, Unruhe reduzieren und zugleich die Orientierung im Wohnbereich stärken. Bedienung, Türfunktion, Notruf und vorgeschriebene Kennzeichnungen müssen dabei vollständig erhalten bleiben.

Aufzüge sind in Seniorenheimen praktisch und unverzichtbar. Für Menschen mit Demenz können sie jedoch schwer verständlich sein: Die Türen öffnen und schließen automatisch, Geräusche entstehen unerwartet und nach einer kurzen Fahrt sieht der Flur plötzlich anders aus. Manche Bewohnerinnen und Bewohner suchen den Aufzug immer wieder auf, fahren unbeabsichtigt in eine andere Etage und verlieren dort die Orientierung.

Eine Aufzugverkleidung kann den technischen Zugang ruhiger in die Umgebung einfügen. Wird die Aufzugtür mit einem passenden Motiv oder einer wandähnlichen Gestaltung optisch zurückgenommen, fällt sie weniger als spontanes Ziel auf. Das kann helfen, unbegleitete Fahrten und daraus entstehende Unruhe zu verringern. Gleichzeitig darf die Gestaltung Menschen, die den Aufzug bewusst benötigen, nicht behindern.

Warum Aufzüge Menschen mit Demenz verunsichern können

Menschen mit Demenz orientieren sich häufig an vertrauten Bildern, Farben, Möbeln und sichtbaren Zielen. Ein Aufzug ist dagegen ein abstrakter technischer Raum ohne direkten Bezug zum Ziel. Die Fahrt unterbricht die räumliche Kontinuität. Beim Aussteigen können gleichartige Flure und Türen zusätzlich das Gefühl verstärken, am falschen Ort zu sein.

  • wiederholtes Drücken der Ruftaste oder unruhiges Warten vor der Tür
  • unbeabsichtigtes Wechseln in eine andere Etage
  • Suchbewegungen und Unsicherheit nach dem Aussteigen
  • Angst durch Geräusche, Spiegelungen oder plötzlich schließende Türen
  • zusätzlicher Begleit- und Betreuungsbedarf für das Pflegepersonal

Camouflage als Teil eines Schutz- und Orientierungskonzepts

Wenn Bewohnerinnen und Bewohner den Aufzug nicht selbstständig nutzen sollen, kann eine optische Camouflage sinnvoll sein. Ein ruhiges Motiv, das zur angrenzenden Wandgestaltung passt, nimmt der Tür ihre technische Auffälligkeit. Der Aufzug wird nicht mehr so schnell als interessanter Durchgang wahrgenommen. Dadurch kann die Gestaltung helfen, wiederholtes Aufsuchen und unbegleitete Fahrten zu reduzieren.

Camouflage bedeutet nicht, den Aufzug vollständig „unsichtbar“ zu machen. Personal, Besucher, Rettungskräfte und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen müssen ihn weiterhin finden und sicher bedienen können. Deshalb braucht es eine klare Zielgruppenentscheidung: Soll der Aufzug für Bewohner selbstständig nutzbar sein oder überwiegend begleitet werden?

Mehr Orientierung an jeder Etage

Die Gestaltung sollte nicht nur vor dem Aufzug wirken. Auch nach dem Aussteigen brauchen Bewohner sofort erkennbare Orientierungspunkte. Jede Etage kann eine eigene, gut unterscheidbare Farbe, ein vertrautes Motiv und eine große Etagenbezeichnung erhalten. Wichtig ist, dass dieses Leitsystem an zentralen Stellen wiederkehrt und nicht durch wechselnde Dekoration verwässert wird.

  • ein eindeutiges Leitmotiv pro Etage verwenden
  • Etagenzahl und Bereichsname groß und kontrastreich anzeigen
  • vertraute Ziele wie Wohnküche oder Aufenthaltsraum sichtbar machen
  • gleichartige Flure durch Farbe, Bild und Möblierung unterscheidbar gestalten
  • blendfreie Beleuchtung und gut erkennbare Bodenkanten sicherstellen

Welche Motive eignen sich?

Geeignet sind ruhige, vertraute und leicht verständliche Motive. Dazu gehören beispielsweise eine dezente Holzoberfläche, eine Bücherwand, regionale Landschaftselemente oder eine zurückhaltende Wandstruktur. Das Motiv sollte zur übrigen Einrichtung passen und aus der üblichen Blickhöhe gut lesbar sein.

Besser vermeiden

  • starke 3D-Perspektiven oder täuschend echte offene Durchgänge
  • dunkle Flächen, die wie ein Loch oder eine Stufe wirken
  • kleinteilige Muster, harte Kontraste und visuelle Unruhe
  • Spiegelfolien oder stark reflektierende Oberflächen
  • Motive mit Personen, Tieren oder Gegenständen, die zu Berührung oder Suche anregen

Technik und Sicherheit müssen frei bleiben

Wichtiger Planungshinweis: Eine Verkleidung darf weder Lichtschranken, Türspalten, Sensoren, Taster, Anzeigen, Gegensprechanlage, Notruf, Lüftung noch Wartungszugänge beeinträchtigen. Material und Montage sind vorab mit Aufzugsfachbetrieb, Betreiber und gegebenenfalls Brandschutzplanung abzustimmen.

Auch Reinigung, Desinfektion und regelmäßige Prüfungen müssen ohne Einschränkung möglich bleiben. Folien dürfen sich an den Kanten nicht lösen oder in bewegliche Teile geraten. Erforderliche Piktogramme, Tragfähigkeitsangaben und Notfallinformationen bleiben sichtbar.

Planung in sieben Schritten

  1. Nutzung beobachten: Dokumentieren, wann und warum Bewohner den Aufzug aufsuchen, welche Etagen betroffen sind und wo nach der Fahrt Unsicherheit entsteht.
  2. Ziel definieren: Festlegen, ob der Aufzug frei auffindbar, begleitet nutzbar oder für Bewohner optisch zurückgenommen werden soll.
  3. Technik erfassen: Türtyp, Sensoren, Bedienelemente, Anzeigen, Notruf, Wartungsflächen und vorhandene Kennzeichnungen vollständig aufnehmen.
  4. Leitsystem entwickeln: Camouflage und Etagenorientierung gemeinsam planen: ruhiges Türmotiv, wiederkehrende Farben, klare Etagenzeichen und erkennbare Alltagsziele.
  5. Fachlich abstimmen: Material, Klebstoff, Kantenabstände und Reinigungsverfahren mit Aufzugsfachbetrieb, Betreiber und bei Bedarf Brandschutzplanung schriftlich klären.
  6. Muster testen: Eine Musterfläche bei Tages- und Kunstlicht prüfen und Reaktionen von Bewohnern, Pflege, Haustechnik und Angehörigen beobachten.
  7. Kontrollieren und nachbessern: Nach Montage Türlauf, Sensorik, Bedienbarkeit und Orientierung prüfen; Wirkung und Materialzustand regelmäßig evaluieren.

Checkliste vor der Umsetzung

☐  Ist geklärt, wer den Aufzug selbstständig nutzen soll?

☐  Bleiben alle Taster, Anzeigen, Sensoren und Notruffunktionen frei?

☐  Ist das Motiv ruhig, vertraut und frei von irreführenden Perspektiven?

☐  Gibt es nach dem Aussteigen eindeutige Orientierungspunkte?

☐  Sind Material und Montage mit dem Aufzugsfachbetrieb abgestimmt?

☐  Sind Reinigung, Prüfung, Wartung und späterer Austausch geregelt?

Häufige Fehler

  • nur die Aufzugtür gestalten und die Orientierung auf den Etagen vergessen
  • Bedienelemente oder Sicherheitsinformationen optisch überdecken
  • zu realistische Motive wählen, die Bewohner irritieren
  • jede Etage mit wechselnden Farben und Bildern überladen
  • Folien ohne Abstimmung mit dem Aufzugsfachbetrieb montieren
  • die Wirkung nicht gemeinsam mit Pflege und Bewohnern überprüfen

Fazit

Eine gut geplante Aufzugverkleidung kann in Seniorenheimen deutlich mehr sein als Dekoration. Sie kann technische Unruhe reduzieren, unbegleitete Fahrten weniger wahrscheinlich machen und ein verständliches Orientierungssystem unterstützen. Entscheidend ist die Verbindung aus demenzsensibler Gestaltung, klarer betrieblicher Zielsetzung und vollständig erhaltener Aufzugssicherheit.

Sie planen eine Aufzugverkleidung?

Wir beraten Sie zu ruhigen Motiven, Maßen und einer Gestaltung, die sich in das Orientierungskonzept Ihrer Pflegeeinrichtung einfügt. Die technische Freigabe erfolgt immer in Abstimmung mit dem zuständigen Aufzugsfachbetrieb.

Quellen zur fachlichen Einordnung

Hinweis: Dieser Beitrag ist eine allgemeine Planungshilfe. Die konkrete Umsetzung muss mit Betreiber, Aufzugsfachbetrieb und – je nach Gebäud

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